Männergesangverein 1895 Kiefersfelden e.V.

Geschichte

Gründungsjahr

Im Jahre 1895 wollte eine Stammtischrunde beim Baumayrwirt ein Hochzeitspaar abends mit einem Ständchen überraschen; durch einen Windstoß erloschen die mitgebrachten Kerzen und die Sänger konnten ihre Darbietung nicht zu Ende bringen.
Angespornt von diesem Mißgeschick schlossen sich sechs sangesfreudige Kieferer mit weltlichen Berufen  (Bader, Schleifer, Schuhmacher, Baumeister, Zollbeamter, Lehrer) noch am selben Abend zum Männergesangverein Kiefersfelden zusammen. Hier entstand vermutlich auch die bis heute erhaltene Tradition, das Liedgut auswendig vorzutragen.

 

 

Die Namen der Gründer aus dem Jahr 1895:

Die Unterschriften der Gründer 1895!

 

Durch regelmäßige Proben ist der Verein bereits 1896 bühnenreif und ein erstes Faschingskränzchen wird veranstaltet. Kurz darauf wird aus dieser Gruppe von Ludwig Lintner und Hans Natterer der bis heute gültige Sängerspruch des MGV kreiert: „Deutsche Liebe, deutsche Treue“.
Im Herbst verfügt der Verein schon über 20 Sänger, regelmäßige Proben finden im Vereinslokal Mesnerwirt, statt. Das jährliche Gründungsfest und eine Christbaumfeier etablieren sich in den folgenden Jahren zu festen Terminen.
 

Interessant ist, dass das MGV Gründungsmitglied Hans Natterer von 1895 bis 1897 Lehrer in Kiefersfelden war. Er wurde 1897 nach Reichertshofen versetzt und war auch dort Gründungsmitglied des Gesangvereines "Liederkranz Reichtershofen" (1897).  (siehe auch unter Link : Liederkranz Reichertshofen

   

 

 

 

Hans Natterer (1870 – 1905) Lehrer und Komponist

 

Hans Natterer wurde am 15.02.1870 in Altusried, Bezirksamt Kempten geboren, wo seine Eltern, Norbert Natterer (06.06.1842 – 29.08.1918) und Berta Natterer, geb. Bucherer (20.01.1843 – 04.08.1912) ab dem 17.09.1873 das heute noch bestehende Gasthaus „Zur Sonne“ in Altusried führten. Damals erhielt Norbert Natterer die „Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtschaft“. Weder Hans Natterer noch sein Bruder übernahmen später die Gast­wirtschaft, sodass diese im Jahr 1911 an die älteste Tochter der Eheleute Natterer über­ging. Wie die Witwe von Hans Natterer öfters erzählte, waren dessen Eltern sehr enttäuscht, dass sich die beiden Söhne nicht für das Gasthaus interessierten.

Hans Natterer wurde Lehrer. Er kam zunächst nach Abschluss der Volksschule 1883 in eine weiterbildende Schule, anschließend dann wohl in eine Lehrerbildungsanstalt. Näheres ist darüber nicht bekannt. Er wurde, wie das damals üblich war, etwa im Alter von 18 oder 19 Jahren Hilfslehrer. An welchen Stellen er zunächst eingesetzt war, ist nicht mehr eruierbar.

Jedenfalls kam er am 07.05.1895 von Inning nach Kiefersfelden, wo er zwei Jahre lang Hilfslehrer war. Er war dort Gründungsmitglied und erster Chorleiter des MGV 1895 Kiefersfelden, war mit Ludwig Lintner, der ebenfalls Gründungsmitglied und später erster Vorstand war, befreundet. Lintner war von Beruf Steinschleifer und wurde im Laufe der späteren Jahre ein regional nicht unbedeutender Dichter. Spätestens ab seiner Kiefersfeldener Zeit komponierte Hans Natterer geistliche Musik und Lieder. So vertonte er u. a. einige Gedichte seines Freundes Lintner und komponierte mehrere Messen meist für vierstimmigen Gesang mit Orgel- bzw. Orchester­begleitung. Leider sind von diesen Musikstücken, bis auf eine Messe mit Orchester­begleitung, datiert am 31.01.1901, keine Noten mehr vorhanden. Bei den Liedern war das Lied „Am Hechtsee“ das bekannteste, das er nach einem Gedicht von Ludwig Lintner vertonte.

In Kiefers­felden lernte er seine spätere Frau, Rosa Aufschnaiter (24.09.1874 – 11.11.1963) kennen, die er am 11.04.1900 an einer späteren Lehrerstelle in Bachern, Bezirksamt Friedberg bei Augsburg, heiratete. Er hatte zwei Töchter, Annemarie (1898 - 1977) und Therese (1901 – 1986).

Am 14.05.1897 wurde er von Kiefersfelden nach Reichertshofen bei Ingolstadt versetzt. Dort war er Gründungs­mitglied des Männer­gesang­vereins Reichertshofen, der, wie in der Vereinschronik nach­zulesen ist, am 27.10.1897 ge­gründet wurde. Diesem Verein war bis zum Oktober 1998 eine „Abteilung für Blechmusiker“ angeschlossen, deren Dirigent Hans Natterer war. Davon existiert ein Foto, das Natterer mit der Vereinsfahne zeigt. Im nahen Ebenhausen befand sich eine Pulverfabrik. Am 01.01.1899 wurde er vom Gesangverein Pulver­fabrik „infolge seiner Verdienste um die Vereinssache“ zum Ehrenmitglied ernannt. Die Ernennungsurkunde ist hand­gezeichnet und hat eine Größe von 73 x 58 cm, sie ist noch heute vorhanden.

Im Jahr 1900 wurde er nach Bachern, später dann nach Wenigmünchen bei Odelzhausen versetzt. Von der Zeit als Lehrer in Reicherts­hofen und Bachern existieren ebenfalls Fotos, die ihn mit seinen Schülern zeigen. Er war dann noch einige Jahre Lehrer in seinem Heimatort Altusried. Die dortige Schule war wahr­­scheinlich zweiklassig. Der Schulleiter erkrankte an Tuberkulose und wurde deshalb außer Dienst gesetzt. Trotz Warnungen seines Freundes, dem Arzt Dr. Eberle, besuchte Natterer seinen kranken Kollegen immer wieder und steckte sich dabei mit dieser Krankheit an, an der er am 20.09.1905 in Altusried verstarb.

Seine Witwe erzählte wiederholt, dass ihn Dr. Eberle, der ihn behandelte, in den letzten Lebensmonaten drängte, verschiedene Kompositionen zu vollenden, da er wusste, dass Natterer nicht mehr lange leben würde. Er selbst zweifelte zu dieser Zeit an einer Genesung, die ihm die Rückkehr in den Schuldienst ermöglicht hätte, hoffte aber bis zuletzt sich wenigstens noch einige Jahre dem Komponieren widmen zu können.

Es ist zu bemerken, dass er mit seiner Familie in finanziell recht bescheidenen Verhältnissen leben musste. So war er gezwungen, zumindest in Bachern und Wenigmünchen, auch als Gemeindeschreiber zu arbeiten. Seine weitere Nebentätigkeit, die ihm sicher keine Last war, sondern völlig seinen Neigungen entsprach, waren die Organistendienste, die er an allen Dienststellen leistete. Nach Angaben seiner Witwe hatte er wegen seiner liberalen Einstellung und Geradlinigkeit mitunter Probleme mit der katholischen Kirche, die damals ja die Schul­auf­sichtsbehörde war. 

Erfreulich ist es, dass der Männergesangverein Kiefersfelden und der Liederkranz Reicherts­hofen noch heute bestehen und dass beide Vereinsvorstände in Verbindung getreten sind.

Dr. Gerhard Multerer, Simbach am Inn, Enkel von Hans Natterer

 

Quellen:

Angaben von Frau Rosa Rath, verwitwete Natterer, geb. Aufschnaiter

Angaben von Herrn Julius Bohus, Direktor an der Sporthochschule München a. D., Enkel von Hans Natterer

Angaben von Herrn Josef Beham, Schulamtsdirektor a. D., Vorstand des MGV Kiefersfelden

 

Internetseite des MGV 1895 Kiefersfelden

 

Internetseite des Liederkranzes Reichertshofen

 

Internetseite des Gasthauses „Zur Sonne“ in Altusried

 

 

 Biographie MGV Gründungsmitglied Sylvester Greiderer

 

Der Schuster Sylvester Greiderer war neben seinem Broterwerb ein Multitalent. Er prägte von ca. 1888 bis 1924 das Kulturleben des bayerisch-tirolischen Inntals maßgeblich. In zwei Perioden (1887 bis 1889 sowie 1897 bis 1899) wirkte er als Spielleiter der Ritterschauspiele Kiefersfelden, deren bis heute gültige und bewahrte Spielform er entscheidend mitgestaltete. Es ist Sylvester Greiderers besonderes Verdienst, dass er Spielfassungen älterer Ritterschauspiele von Josef Georg Schmalz und anderen Autoren einrichtete, die bis in die Gegenwart gespielt werden. Er komponierte zahlreiche Werke für Vokalensembles mit Instrumental-begleitung und Blasmusiken für die MusikkapelleKiefersfelden, deren Musikmeister er bis 1899 war.

Als Kapellmeister der Stadtmusikkapelle Kufstein initiierte er die Gründung des Unterinntaler Musikbundes, des ersten überregionalen Blasmusikbundes Österreichs. Nach der amtlichen Eintragung vom 25. Juni 1903 rückten beim Gründungsfest am 20. September 1903 elf Kapellen aus. Ein erster Höhepunkt war der gemeinsame Auftritt 1909 bei den Feierlichkeiten in Innsbruck mit 250 Musikanten.Als Bundeskapellmeister des Unterinntaler Musikbundes hatte Sylvester Greiderer eine wesentliche Funktion bei der Gründung des Musikbundes Schwaz in Tirol und später bei der des Musikbund Rattenberg und Umgebung am 10. April 1921. Die Stückbearbeitungen Sylvester Greiderers gelangen regelmäßig bei den Ritterschauspielen Kiefersfelden zur Aufführung. Von ihnen ist nur Ubald von Sternenburg (s. Rattelmüller) im Druck erschienen. Greiderers musikalische Werke erklingen als Einlagen bei den Ritterschauspielen Kiefersfelden sowie bei öffentlichen Auftritten der Stadtkapelle Kufstein, der Musikkapelle Kiefersfelden und anderer Musikvereinigungen Bayerns und Tirols
 
Um die Jahrhundertwende war er als einer der fünf Gründer des Männergesangvereins Kiefersfelden (1895) der 1. Vorstand und in der Nachfolge von Hans Natterer der Chorleiter .
 
 
 

Sylvester Greiderer

Dieses Bild hängt im Blaahaus Museum in Kiefersfelden

 
 
 
 
 
Biographie MGV Gründungsmitglied Ludwig Lintner
 
Ludwig Lintner - Arbeiter, Dichter - wurde am 20. März 1872 in Kiefersfelden, Bayern geboren.
 
Leben:
- in ärmlichen Verhältnissen, bald elternlos, aufgewachsen
- zweiklassige Volksschule
- mit 15 Jahren Lehre bei einem Bildhauer in Bozen
- 1900 - 1901 Marmorschleifer in Winterthur
- Schleifer in der Marmorindustrie, "Kieferer Marmorindustrie"
- Selbststudium mit Büchern von Pfarrer Gierl in Kiefersfelden
 
 
Werke:
- 1903 "Wildrosen", Dresden 1903, Gedichte
- 1914 "Hochlandsblüten", Kiefersfelden 1914, neue Gedichte
           (Selbstverlag, Druck: Buchdruckerei Lippott Kufstein, 112 Seiten)
- "Aus der Pestzeit", epische Dichtungen
- "Die Hechtseesage", epische Dichtungen
- "Der Glaubensstreit", geschichtliche Erinnerungen
- "Lebensroman", Selbstbiographie
- "Treu bis in den Tod", Theaterstück
- "Das Schicksal Hammerschlag", Theaterstück
   volkstümliche Geschichten und Skizzen
 
 
Quellen
 
Rudolf Sinwel, Ludwig Lintner - Zur Vollendung seines 60. Lebensjahres (20. März 1932),
in: Tiroler Heimatblätter, 10. Jahrgang, Heft 3 / 1932, S. 85; Hochlandsblüten, Vorwort und Bild 1;
 
1895 Mitgründer des MGV Kiefersfelden und 1.Vorstand in der Nachfolge von Sylvester Greiderer
 
 
 
 

 
 
  Titelblatt des ersten Kassenbuchs:
 
 
 
 

 
 
Sommerkonzert 1906 und 25. Gründungsfest 1921
 
 
 
 
 

 
 
Festschrift 2005 - Kurze Vereinsgeschichte
 
 
 
 

 


 

Im Jahre 1905 wurde die erste Vereinsstandarte angeschafft, die lange Jahre von Fähnrich Josef Meyer gehütet wurde und heute im Heimatmuseum Blaahaus aufbewahrt und ausgestellt ist.